W6.TE1 Engagement-Text
Mehr als Fußball
Für die Blindenfußballer*innen des FC St. Pauli endet das Engagement nicht auf dem Spielfeld. Von Anfang an versteht sich die Abteilung als Sport- und Begegnungsraum. Das gemeinsame Spiel von blinden und sehenden Menschen in unterschiedlichen Rollen – auf dem Platz, im Tor, als Guides, Trainer*innen oder Schiedsrichter*innen – macht den Sport zu einem Beispiel gelebter Zusammenarbeit und Inklusion.
Diese Besonderheit weckt seit vielen Jahren großes Interesse. Die Blindenfußballabteilung nutzt diese Aufmerksamkeit, um ihren Sport sichtbar zu machen und Menschen für die Lebensrealität blinder und sehbehinderter Personen zu sensibilisieren. Bei Schulprojekten, Workshops und Mitmachangeboten lernen Kinder, Jugendliche und Erwachsene den Sport unmittelbar kennen. Allein in Hamburg führen die Blindenfußballer*innen des FC St. Pauli an mehr als 40 Schulen Sensibilisierungstrainings durch. Durch das Projekt „Check Voy!“ lernen 2024 über 1.200 Schüler*innen den Blindenfußball durch eigenes Ausprobieren kennen.
Aus einem Fototermin für ein Kindermagazin entsteht 2012 die Nachwuchsarbeit der Abteilung: Zwei Kinder, die für das Fotoshooting auf dem Platz stehen, wollen weitertrainieren. Daraus entwickelt sich eine regelmäßige Jugendtrainingsgruppe, deren Spieler*innen wenige Jahre später den Kern der Mannschaft bilden, die 2017 erstmals die Deutsche Meisterschaft gewinnt.
Auch die berufliche und akademische Aus- und Weiterbildung profitiert von dem Engagement der Abteilung: Blindenfußball ist mittlerweile Bestandteil von Lehrveranstaltungen für Studierende, Lehrkräfte, Polizeianwärter*innen und Sportmediziner*innen. Auch an der ersten lizenzrelevanten Trainer*innenfortbildung zum Blindenfußball in Kooperation von DFB und DBS wirkt der langjährige St.-Pauli-Trainer Wolf Schmidt maßgeblich mit. So trägt die Blindenfußballabteilung des FC St. Pauli entscheidend dazu bei, die Sportart über Vereinsgrenzen hinweg weiterzuentwickeln. Eine Erfolgsgeschichte auf und neben dem Platz.